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Caprimond-Geschichte
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Die Caprimond-Geschichte

Die schönste Legende der Reitpferdezucht: Caprimond

Die schönste Legende der Reitpferdezucht: Caprimond

Vier Hengste nebeneinander, vier Pferde, denen man ansieht: Hier sind Trakehner unterwegs. Das Publikum in der Holstenhalle Neumünster ist begeistert. Niemand, der im Oktober 2010 dabei ist, wird dieses Bild so schnell vergessen. Keinen hält es auf den Sitzen. Denn es sind nicht etwa „nur“ vier Hengste, die dort einträchtig nebeneinander passagieren. Es sind Vater, Sohn, Enkel und – Urenkel. Jawohl, Urenkel! Ein in der Pferdezucht einmaliger Moment: Caprimond, Hohenstein, Münchhausen und Titiano. 25 Jahre alt ist Caprimond, der nicht als in Ehren ergrauter Rentner seine Runden zieht, sondern unter dem Sattel noch einmal brilliert. Isabell Wahler reitet ihn, ihr Bruder Christoph sitzt im Sattel von Hohenstein. Zucht-Geschichte zum Anfassen, zum Bestaunen, zum Feiern! Einmal mehr gelingt es Caprimond, einen besonderen Augenblick zu schaffen. Einen mit Gänsehautgarantie. So wie schon 2006 in Aachen, als Christoph Wahler ihn ritt und der damals 12 Jahre alte Sohn von Ingrid und Burkhard Wahler mit den Absätzen gerade einmal unter den Sattel kam. Oder der unvergessene Auftritt als Theresa Wahler Caprimond in Neumünster bei der Trakehner Galaschau ritt. Auch sie da noch ein kleines Mädchen. Und ihre stolze Großmutter Gudrun Wahler, die am Ende im Rampenlicht stand und mit ihrer Enkelin und diesem ganz besonderen Hengst um die Wette strahlen konnte. Die Grand Dame der Trakehner Zucht wusste, welch einen Schatz die Familie in Caprimond besaß. Und wie richtig es war, ihm ein Denkmal zu setzen, eine Bronze, die die Gäste auf dem Klosterhof Medingen begrüßt.

Momente wie diese gehören zu der einmaligen Erfolgsgeschichte dieses Hengstes, der bei Familie Hanke in Hameln geboren, von Hubertus Poll aufgezogen und von Burkhard Wahler 1987 ersteigert wurde. Ein Hengst, der eine Dynastie begründen sollte, und – wie Burkhard Wahler betont – zwei Wahler-Generationen das Dressurreiten bis Grand Prix beigebracht hat. Ein Lehrmeister, ein Professor. Einer, der 19-jährig noch im Grand Prix erfolgreich war und der anschließend Ingrid Wahler nach ihrem schweren Reitunfall wieder in den Sattel verhelfen sollte. Ein Charakterpferd, wie es sie nur selten gibt. Eine Tugend, die er seinen Nachkommen mitgibt. Vollgeschwister hat der Hengst übrigens keine. Züchter Jürgen Hanke war sich angesichts des Fohlens, das da vor ihm stand, sicher: Dieses Pferd ist einmalig, unerreichbar. Ein Unikat – er sollte Recht behalten.

Der Pythagoras der Neuzeit

Der Pythagoras der Neuzeit

Schon zu seinem 20. Geburtstag fasste der Trakehner Zuchtleiter Lars Gehrmann die Lebensleistung des Karon-Sohns in einem einmaligen Kompliment zusammen: Der „Pythagoras der Neuzeit“ sei der Hengst. „Wo Caprimond drauf steht, ist auch Rittigkeit drin“. Der Vergleich zu dem legendären Trakehner Hauptbeschäler, der im frühen 20. Jahrhundert in gerade einmal 13 Jahren 70 gekörte Söhne zeugte – im Natursprung versteht sich! – und dessen Karriere durch die Kriegswirren ein frühes und jähes Ende nahm, ist legitim!

Pythagoras? Caprimond hat bislang keine 70 gekörten Söhne, aber dafür reicht sein Einfluss weit über seine Population hinaus. Er, der als jüngster Hengst der Trakehner Geschichte zum Elitehengst und 1998 zum „Trakehner Hengst des Jahres“ erkoren wurde. Im hohen Alter hat ihm der Trakehner Verband seine Ausnahmestellung gedankt, zu Beginn seiner Karriere war das nicht immer so selbstverständlich. Doch gemäß der Weisheit, wonach sich Gutes langfristig immer durchsetzt, ist der Hengst mit der Halbmondsichel auf dem Stern, der er seinen Namen verdankt, seinen Weg gegangen. Seine züchterische Statistik liest sich beeindruckend: Im Jahr 2000 findet sich Caprimond bei einem knappen Zehntel (9,6 %) aller auf dem Trakehner Hengstmarkt ausgestellten Hengste, Stuten, Reitpferde oder Fohlen in einer der ersten drei Generationen. 2003 sind es bereits mehr als doppelt so viel. 2005 ist dann ein knappes Drittel der Kandidaten von dem Hauptvererber geprägt. Und weil diese Junghengste sich auch züchterisch bewähren, geht es immer weiter. Entscheidend ist in erster Linie Hohenstein mit seinem Sohn Münchhausen, Siegerhengst, Jungpferde-Vizeweltmeister und Teilnehmer an der Dressur-Europameisterschaft 2005. Aber auch Namen wie dessen Sohn Tambour – der später den Vielseitigkeits-Bundeschampion Herzog zeugen soll –, Couracius, Okavango oder auch Karolinger I v. Latimer a.d. Kadenz IX v. Hohenstein, genießen einen guten Ruf im Zuchtgeschehen. Karolinger, Preissensation auf der Medinger Herbstauktion 2005 und jetzt für das Haus Böckmann-Heinrich, Hamburg, auf Erfolgskurs, wird zunächst schwedischer Siegerhengst, 2005 dann in den Reitpferdeprüfungen des Bundeschampionats der erfolgreichste Trakehner. 2010 qualifizierte er sich für das Finale des Nürnberger Burgpokals. 2011 ist er auf Grand Prix-Kurs. Er ist über seinen Vater, den Bundeschampion Latimer, dessen Mutter eine Caprimond-Stute ist, und seinen Muttervater Hohenstein auf Caprimond ingezogen.

2005 wird mit Herzensdieb ein Caprimond-Enkel Siegerhengst und für 275.000 Euro versteigert. Der 2. Reservesiegerhengst Mon Baron stammt von Münchhausen ab. Das teuerste Fohlen ist ein Hengst v. Hohenstein-Sixtus, der spätere Marbacher Landbeschäler Kronprinz, Prämienhengst und im Süden populärer Fohlenmacher. Der scheidet früh aus der Zucht aus, schickt aber gleich zwei Söhne aus seinem Debüt im Körjahrgang 2011 nach Neumünster.
Und dann ist da noch die andere Seite. Caprimonds Prägung – und das genau macht einen echten Stempelhengst aus – findet sich nicht nur bei seinen Söhnen. Auch als Stutenmacher ist er ein Leistungsgarant. Schon 1994, als seine Töchter aus der berühmten Donau-Familie bei der Bundesstutenschau, dem deutschlandweiten Vergleich aller Zuchtgebiete, siegen, ist das so. Es soll immer so bleiben. Das belegt eine Auswertung der zentralen Stuteneintragungstermine der Trakehner Zucht: 2005 beispielsweise führen 31 Prozent der Prämienstuten das Blut des Klosterhofer Aushängeschilds. Anders gesagt: Wer Prämie will, muss Caprimond benutzen.

Über die Grenzen erfolgreich

Caprimond schafft das nicht nur in der vergleichsweise überschaubaren Trakehner Population, in der jährlich weniger als 2000 Fohlen registriert werden. Er schafft es auch bei den ganz Großen. Die hannoverschen Züchter lernen von Caprimond und später Hohenstein, dass Umdenken sich lohnt. In den Stutenprüfungen sind deren Töchter stets weit vorn in den Dressurbeurteilungen. Hohenstein wird seit dem Jahrtausendwechsel in der Gesamtwertung stets in den Top 10 rangiert, Caprimond führt mehrere Jahre bei der Vererbung der Reitpferdepoints. Dasselbe Bild zeigte sich in den Turnierprüfungen. Hohensteins Töchter wurden in Spitzenjahren zu beinahe 40 Prozent prämiert. Er ist omnipräsent bei Verdener Auktionen, für die er schon mehr als 60 Nachkommen stellte. Nicht nur deswegen gilt es als ausgemachte Sache, dass er einst seinen Vater im züchterischen Stellenwert beerben wird. Kein anderer Hengst hat derart viele Nachkommen bei den Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reiter aufzuweisen, z. B. Highlight/Thea Felicitas Müller (Mannschaftseuropameisterin Junge Reiter 2008), Habitus/Louisa Lüttgen (Mannschaftseuropameisterin Junioren 2009), Hohenstaufen/Kristin Schütte (Europameisterin Junge Reiter).

2002 markiert ein besonderes Jahr. In Verden wird der Hohenstein-Sohn His Highness Siegerhengst und kostete 515.000 Euro. Sein früher Tod im Alter von sieben Jahren verhindert, dass über diesen Zweig das Erbgut des Caprimond noch nachhaltiger in der hannoverschen Population verankert wird.

Etwas Statistik

2011 wird sein Zuchtwert Dressur mit 150 Indexzählern hoch eingeschätzt. Ein Punkt mehr als sein Erzeuger (149), für den das Sportjahr 2010 in Deutschland 19 S-erfolgreiche Pferde aufweist – jeder achte Hohenstein-Nachkomme (12,5 Prozent) im Sport ist also platziert in der schweren Klasse. Caprimond ist 2010 bereits 25 Jahre alt, naturgemäß lassen die Zuchtwerte zu diesem Zeitpunkt etwas nach. Doch mit 129 Dressurindexpunkten und einem Rittigkeitswert von 134 steht der Grandseigneur als einer der ältesten im bundesweiten Ranking immer noch äußerst erfolgreich dar. 15-mal hat er mit der goldenen Schleife an der Kandare die Ehrenrunde nach Prüfungen der Klasse S angeführt, unter seinen Nachkommen finden sich 32 S-Pferde. Einer davon übrigens der zehnfache S-Sieger Hohenstein, der es auf mehr als 50 Platzierungen in Klasse S bringt. Ohne, dass er jemals übermäßig stark sportlich eingesetzt wurde. Aber wenn der Rappe den Hengststall auf dem Klosterhof Medingen in Richtung Turnier verließ, dann nur um weitere Platzierungen vorzuweisen.

Nicht nur His Highness legt Ehre für seinen Vater Hohenstein ein. Der ebenfalls aus einer Donnerhall-Mutter gezogene Hochadel, der im Landgestüt Celle steht und aus der Zucht der Familie Berner stammt – seine Schwester war übrigens Auktionsfohlen in Medingen im Herbst 2005 – entfacht große Begehrlichkeit bei den Züchtern. Sechs Jahre später steuert er schon neun gekörte Hengste, Urenkel von Caprimond, zu der Erfolgsstory seines großartigen Urahnen bei. Im selben Jahr, 2008, hat die offizielle FN-Auswertung für Hohenstein einen Dressur-Zuchtwert von 150 ausgewiesen. Damit gehört er zu den 15 besten Dressurvererbern Deutschlands. 2011 sind es 146 Indexpunkte – ein Dauerbrenner, wie sein Vater. 2011 ging sein Sohn Horatio unter Dorothee Schneider bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde im Finale.

Hohensteins Sohn Hudson, ehemaliger Landbeschäler in Sachsen-Anhalt und Schwaiganger, der aus einer Prince Thatch xx-Mutter gezogen ist, kann sogar noch einen Punkt mehr aufweisen. Unter Marie-Therese Neuer-Roth-Gschwender wurde er 2011 Vize-Staatsmeisterin der Junioren in Österreich. Auch der Hannoveraner Harvard (Mutter von Ortelsburg), der als vergleichsweise junges Pferd nach Kanada veräußert wurde, hat mit einem Index von 138 (Sicherheit 90 %) eine absolute Spitzenposition inne. Ganz oben aber steht Münchhausen, der zeitweise im elitären Club der besten Dressurhengste Deutschlands Rang fünf einnimmt (Index: 163 bei einer 92-Prozent-Sicherheit). Auch er hat schon S-Sieger in Serie geliefert. 2010 ist er der siebtbeste Hengst in diesem Metier (160). Tambour und His Highness liegen mit ihrem Vater Hohenstein (150) gleichauf, Insterburg TSF ist sogar noch einen Punkt besser (151). Der Rappe ist ein Caprimond-Enkel vom Scheitel bis zur Sohle: Wunderschön, leistungsstark, rittig und ein gefragter Vererber. Seine Karriereschritte: Auktionsfohlen in Medingen, wo ihn Claudia Schultzke entdeckte, Prämienhengst, Bronzemedaillengewinner bei der Weltmeisterschaft junger Dressurpferde, achtjährig siegreich in Klasse S, dann Grand Prix-Sieger. 2010 wechselte er in schwedischen Besitz.

Caprimond - connecting horses

Caprimond - connecting horses

Und der Vater, bzw. Urgroß- und Großvater des Erfolgs? Caprimond selbst gehört zu den Zuchtgiganten, deren Vererbung von den Statistikern mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit errechnet werden können. Ganz genau sind es 98 %, die ihm den hervorragenden Index von 129 in der Dressurqualität bescheinigen. Damit sind Karrieren im Viereck programmiert. Ein Zehntel aller im Turniersport erfolgreichen Caprimond-Kinder weist im Turnierjahr 2010 Erfolge in S-Dressuren auf. International kann Atterupgaards Cassidy, ein dänischer Caprimond-Sohn, punkten. Mit Cathrine Dufour gewinnt der Wallach 2011 zwei Silber- und eine Bronzemedaille  bei der Europameisterschaft der Jungen Reiter. 2010 war er auch schon mit Medaillen ausgestattet von der EM in seine dänische Heimat zurückgekehrt.

Beim züchterischen Großereignis 2011, der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde, bringt sich Caprimond noch einmal ins Spiel: Die Weltmeisterin Woodlander Farouche, die aus Großbritannien angereist ist, und Verden im Sturm erobert hat, führt Caprimond in dritter Generation. De Champ, überragender Sieger im Kleinen Finale, stammt aus einer Caprimond-Mutter. Sein Halbbruder Zucchero v. Depardieu ist in Holland gekört. Das beweist: National, international – überall!

Caprimond wird als einer der entscheidenden Hengste der Zuchtepoche rund um den Jahrtausendwechsel auf ewig in die Geschichtsschreibung der Pferdezucht eingehen. So wie es einst Pythagoras in Trakehnen vermochte.